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Hallo Welpe - Zwischen „wie süss“ und „was habe ich mir da angetan“ liegen oft nur wenige Minuten - Die ersten Wochen mit einem Welpen

  • Marlen Brandenberg
  • 10. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit


Die ersten Wochen mit einem Welpen sind oft ganz anders, als man es sich vorher vorgestellt hat.


Man freut sich. Hat Bilder im Kopf von Nähe, Vertrauen, schönen Spaziergängen. Der neue "beste Freund" der einem durch dick und dünn begleitet.

Und dann sitzt da plötzlich ein kleiner Hund, der nichts kennt, auf alles reagiert und dich schneller an deine Grenzen bringt, als dir lieb ist.

Viele hinterfragen sich bereits nach wenigen Tagen. Der Schlaf fehlt. Der Alltag ist total auf den Kopf gestellt. Zu nichts kommt man mehr, nicht zum putzen, nicht zum kochen, geschweige denn zum duschen. Der Welpe ist wild, kommt nicht zur Ruhe, verfolgt einem im ganzen Haus.

Und da kommt dieses Gefühl hoch, nicht zu wissen, ob man dem Ganzen wirklich gewachsen ist.


Dann kommen die Gedanken: War das die richtige Entscheidung? Schaffe ich das wirklich? Und bleibt das jetzt so? Passt dieses kleine Fellkneuel wirklich in mein Leben?


Gerade wenn es der erste Hund ist oder der letzte Welpe schon lange her ist, trifft einen das oft härter als gedacht.

Was man dabei leicht vergisst: Dieser Hund ist erst seit ein paar Tagen da.

Er kennt dich nicht. Er kennt dein Zuhause nicht. Er kennt diese Welt nicht.

Für ihn ist alles neu und vieles sieht und hört er gerade auch das aller erste mal.. Und neu ist für viele Welpen erst mal anstrengend, denn es muss verarbeitet werden, und das geht meist nicht ohne "Nebenwirkungen" für die neuen Hunde-Eltern.


Das zeigt sich dann so:

  • viel Unruhe

  • Dinge anbellen, die für uns völlig normal sind, der Welpe aber gerade das erste mal mit konfrontiert ist

  • in alles reinbeissen

  • die Wohnung wird zur Toilette für grosse und gefühlt ALLE kleinen Geschäfte

  • wildes umher rennen draussen & drinnen

  • In Hände, Füsse und alles beissen was gerade in der Nähe ist

  • Die Nächte werden zum Tag, der Welpen muss auch in der Nacht alle paar Stunden raus, und will danach meist auch nicht direkt wieder schlafen


    Welpe frisst Stiefel

Du hast kein „Problemhund“ bekommen. Das ist ein junger Hund, der gerade versucht, klarzukommen und gerade selbst auch nicht weiss, wie ihm geschieht!


Die neuen Hunde-Eltern sind meist bestens informiert, wollen es gut machen. Hören sich im Bekanntenkreis um, nehmen Tipps vom Nachbarn an, denn ein Hund hatte ja gefühlt schon jeder... und jeder sagt einem auch wie einfach und schön das Leben mit einem Hund ist!

Ich frage mich da oft, ob all diese Menschen vergessen haben, wie ihr Hund als Welpe war? Ob sie das wirklich ne tolle, erholsame und schöne Zeit fanden??


Ich selbst muss ehrlich sagen, ich finde auch nach 42 Jahren Hundehaltung, die Welpenzeit die "schlimmste Zeit"!!! Auch wenn ich verstehe, was im kleinen Wesen vorgeht, finde ich diese Zeit doch höchst anstrengend, absolut Schlafkostend und somit auch Nervenaufreibend. Ich war jedesmal froh, wenn das erste Jahr rum war! Weil egal was danach kam, es wurde entspannter.


Was ich als Hundetrainerin mit Spezialgebiet Verhaltensberatung bei meinen Welpenkunden in diesen Phasen oft erlebe ist, dass sie viel zu früh beginnen:


  • Dinge zu üben, die noch gar nicht dran sind

  • Verhalten sofort korrigieren wollen

  • Fortschritte sehen wollen (möglichst täglich)

  • Probleme sofort „weg trainieren“, aus Angst das *es" sonst ein Lebenlang so bleibt

  • den Welpen zu erziehen, denn was "Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr"


Mal Butter bei die Fische: Wer würde denn mit einem Menschen-Baby als erstes direkt das "Sitzen" üben? Oder wer würde von einem Baby erwarten, dass es nach 2 Tagen nicht mehr in die Windel macht? NIEMAND... weil es sonnenklar ist!!


Die neu gebackenen Hunde-Eltern übersehen dabei, dass die Basis noch gar nicht da ist.

Der Hund hat noch kein Gefühl für Sicherheit. Kein Verständnis für deinen Alltag. Und trotzdem erwarten wir oft schon, dass er funktioniert.

Das führt dann schnell zu Frust, Ungeduld und Zweifel. Und auch dazu, dass man Aussagen von wie „das kommt schon gut“ kaum noch glauben kann.


Was in diesem Phasen wirklich wichtig ist:

Du brauchst in dieser Phase keinen perfekten Trainingsplan, keinen perfekten Alltag!!


In den ersten Wochen geht es vor allem darum:

  • Ruhe reinzubringen - Viel Schlaf für die Regneration der Nerven und der neuen Erlebnisse

  • Reize bewusst klein zu halten

  • Abläufe immer wieder gleich zu machen - Rituale aufbauen

  • dem Hund Zeit zu geben

  • und Dich möglichst selbst auch zwischen durch entspannen!


Mensch schläft zusammen mit jungem Hund auf Sofa

Ganz konkrete Tipps für die ersten 2-4 Wochen mit Deinem Welpen:


Geh, sofern vorhanden, die ersten 7-10 Tage nur in den Garten, oder auf eine nah gelegene Wiese direkt vor dem Haus. Und lass den Welpen alles erkunden und in kleinen Schritten Sicherheit gewinnen. Das ist das BESTE was Du die ersten 10 Tage machen kannst!

Lass die Spaziergänge ganz weg. Denn mit dem vielen raus gehen, damit Dein Hund Pipi und Kaka draussen macht, bist Du eh schon genug "aktiv" und Dein Hund autoatmisch vielen Reizen ausgesetzt. Zusätzliche Spaziergänge braucht es in dieser Eingewöhnungsphase NICHT!!


Nach den ersten 14 Tage:

Geh die gleichen Wege. Immer wieder die gleichen Strecken. Nicht jeden Tag etwas Neues. Dein Hund muss erst mal verarbeiten können, was er erlebt, und da hilft es ihm, wenn zu Beginn möglichst KEINE verschiedenen Wege ausprobiert werden.

Der Spaziergang sollte auch jetzt nicht 3x mal Tag statt finden, sondern 1x und das nicht länger wie 20min!! Und die restlichen Gänge nach draussen sollten nur der Versäuberung dienen, direkt vor dem Haus oder im Garten und wieder rein in die warme Stube.

Denn das allerwichtigste ist SCHLAF, und davon braucht ein Welpe gut und gerne 20-22 Stunden am TAG!!


Mach weniger, nicht mehr:

Ein ruhiger Spaziergang im Wald (fahr mit dem Auto hin, so lernt der Welpe auch direkt das Auto fahren) bringt dir mehr als ein Ausflug mit vielen Eindrücken.

Auch der Besuch, und die neuen Hundefreunde der Verwandschaft, sollten sich die erste Zeit zurück halten.


Achte auf Pausen:

Welpen sind nicht unterfordert, sondern müde. Wenn es kippt, sie die "verrückten fünf Minuten" haben, fehlt oft genügend Schlaf, nicht Beschäftigung.


Lass auch mal Dinge stehen, "den fünfer gerade sein lassen":

Du musst nicht alles sofort angehen. Beobachte mehr, greif weniger ein.

Schraub deine Erwartungen runter! Dein Welpe kann noch nichts. Und das ist genau richtig so.

Und NEIN, es bleibt nicht so! Er wird stubenrein werden, er wird in Zukunft nicht mehr alles verbellen und er wird Deinen Arm auch irgendwann in Ruhe lassen!! Und ja, auch ein Welpe schläft irgendwann mal durch... aber alles zu seiner Zeit, und sicher nicht in den ersten 2-3 Monaten!!!

Egal was Dir Deine Bekanntschaft sagt, solche Sprüche wie „mein Welpe war nach zwei Tagen stubenrein“ gehören für mich in die gleiche Ecke wie die Geschichten von den angeblich perfekten Babys.

Die, die von Anfang an durchgeschlafen haben und mit einem Jahr keine Windeln mehr brauchten, wir kennen sie alle. ;-)


Und hier nun das wichtigste für Dich:

  • Du musst gerade nichts „perfekt“ machen.

  • Du begleitest einen jungen Hund, der gerade erst ankommt.

  • Das braucht Zeit, viel Zeit und viel Empathie und Liebe.... das wäre schon fast alles, oder zumindest das aller wichtigste!


    Mensch mit Hund in den Bergen

Und ja, es wird leichter, nicht weil Du alles richtig machst. Sondern weil Dein Hund langsam versteht, wie sein Leben bei Dir funktioniert.

Viele sagen im Nachhinein: Der Anfang war streng. Aber genau da ist die Basis entstanden.


Wenn Du gerade mitten drin bist und zweifelst, das gehört dazu.

Und es sagt nichts darüber aus, ob Du gut genug bist für Deinen Hund und schon gar nicht, dass Du dem ganzen nicht gerecht werden kannst. Denk daran - es geht vorbei... und irgendwann, in nicht all zu langer Zeit, denkst Du an diese Welpenzeit zurück, und Du wärst froh, wenn Dein jetzt 12 jähriger, Senioren-Hund noch mal ein Welpe sein könnte... und er Dich erneut viele weitere Jahre begleiten könnte...


Genau so geht es mir gerade… Ich denke zurück an diese Zeit, würde sie so gern nochmal erleben.

Denn jetzt steigt in mir die Angst vor dem, was irgendwann kommt, vor dem Abschied, der naht....

Aber dieser Tag ist NICHT heute. Und deshalb, glaube mir, das kleine Wesen neben Dir, wird Dein Bester Freund an Deiner Seite werden, und jede Minute, die Du jetzt investierst und ihn mit Liebe und Verständnis überschüttest, wirst Du zu tausendfach zurück bekommen - Versprochen!!


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